{"id":1072,"date":"2022-08-14T13:12:14","date_gmt":"2022-08-14T12:12:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nordharzev.de\/?page_id=1072"},"modified":"2022-08-14T16:48:47","modified_gmt":"2022-08-14T15:48:47","slug":"zur-gemeinsamen-exkursion-des-botak-mit-dem-naturwiss-vereins-goslar-ins-innerstetal-bei-langelsheim","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nordharzev.de\/?page_id=1072","title":{"rendered":"Zur gemeinsamen Exkursion des BotAK mit dem Naturwiss. Vereins Goslar ins Innerstetal bei Langelsheim"},"content":{"rendered":"<p>Die 21. gemeinsame Exkursion des Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar e.V. und des Botanischen Arbeitskreises Nordharz e.V. f\u00fchrte in das Tal der Innerste n\u00f6rdlich von Langelsheim. Ziele waren die Naturschutzgebiete (NSG) \u201eSchlackenhalde Bredelem\u201c und \u201eMittleres Innerstetal mit Kanstein\u201c. Unter Leitung von Dr. Florenz Sasse und seiner Gattin wurden Lebensr\u00e4ume und Arten beider NSG, die heute auch im Rahmen von Natura 2000 eine wichtige Rolle spielen, aufgesucht.<\/p>\n<p><center><img src=\"wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220730_100613420_HDR.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" border=\"1\" \/><\/center><strong>Schlackenhalde Bredelem (MTB 4028\/1)<\/strong><\/p>\n<p>Mit einer sehr inhaltsreichen Einf\u00fchrung zur Geschichte des Standortes, zur Entstehung der Schlackenhalde, ihrem Bewuchs mit Moosen, Flechten und h\u00f6heren Pflanzen mit den verschiedenen Stadien und zur Physiologie der Schwermetalltoleranz wurden die zahlreichen Teilnehmer (26 Personen) beider Vereine von Dr. Sasse auf den ersten Exkursionspunkt eingestimmt. Danach wurden exemplarisch wichtige Arten vorgestellt. Die wichtigen h\u00f6heren Pflanzen (\u201eMetallophyten\u201c) konnten alle gezeigt werden: Gew\u00f6hnliche Grasnelke (<em>Armeria maritima subsp. elongata<\/em>), Fr\u00fchlings-Miere (<em>Minuartia verna subsp. hercynica<\/em>), Taubenkropf-Leimkraut (<em>Silene vulgaris<\/em>) und Haller-Schmalwand (<em>Arabidopsis halleri<\/em> [wurde sp\u00e4ter unterhalb des Kansteins gezeigt]). Hinzu kam eine Reihe von Arten, die eine auffallende Schwermetalltoleranz aufweisen: Schaf-Schwingel (<em>Festuca ovina agg.<\/em>), Rundbl\u00e4ttrige Glockenblume (<em>Campanula rotundifolia<\/em>), Pfeifengras (<em>Molinia caerulea<\/em>) u.a.m. Offene Schlackestellen sind vorhanden, Dominanz haben aber die Vergrasungsstadien, die sich infolge von Feinerdeansammlung auf den Schlacken einstellen k\u00f6nnen. Bemerkenswert sind die ausgedehnten Vorkommen von Molinia caerulea auf den wechselfeuchten bis feuchten Standorten. Haar-Schwingel (<em>Festuca filiformis<\/em>) als atlantische Art wurde in den Festuca-Best\u00e4nden auch gefunden. Die \u201eBasisgesellschaft\u201c auf Schwermetallstandorten ist das Armerietum halleri, das von dem Osterwiecker Botaniker und Pflanzensoziologen Wilhelm Libbert beschrieben wurde.<br \/>\nSchlackebrocken und schwermetallhaltiges Gestein waren besiedelt von Flechtenarten wie Goldgelbe Kuchenflechte (<em>Lecanora subaurea<\/em>), Kleine-, Vesuv- und Fingerbl\u00e4ttrige Korallenflechten (<em>Stereocaulon nanodes, vesuvianum<\/em> und <em>dactylophyllum<\/em>), Braune Schwarznapfflechte (Lecidea fuscoatra), diversen <em>Cladonia-<\/em> und einigen <em>Acarospora-<\/em>Arten. Die namengebende Art des Acarosporetum sinopicae konnte an diesem Tage nicht gefunden werden. Bemerkenswert ist das z.T. sehr h\u00e4ufige Vorkommen von Pionierarten wie Verdichtete Korallenflechte (<em>Stereocaulon condensatum<\/em>) und Rosa K\u00f6pfchenflechte (Dibaeis baeomyces) auf Erdboden.<\/p>\n<p><center><img src=\"wp-content\/uploads\/2022\/08\/Diploschistes-muscorum-Schulerh\u00fctte-2014.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" border=\"1\" \/><\/center><center><img src=\"wp-content\/uploads\/2022\/08\/Dibaeis-baeomyces-Kruzifix-20106.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" border=\"1\" \/><\/center>Zu sehen sind die Flechtenarten <em>Diploschistes muscorum<\/em> (oben) und <em>Dibaeis baeomyces<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Mittleres Innerstetal mit Kanstein (\u00fcberwiegend 4028\/3)<\/strong><br \/>\nDer weitere Weg f\u00fchrte am Innerste-Ufer entlang in Richtung Kanstein. Im Uferbereich fielen neben anderen Arten Dr\u00fcsiges Springkraut (<em>Impatiens glandulifera<\/em>), Wilde Engelwurz (<em>Angelica sylvestris<\/em>), Rote Lichtnelke (<em>Silene dioica<\/em>) und Wasser-Schwaden (<em>Glyceria maxima<\/em>) auf. Am Fu\u00dfe des Kansteins wurde ein beachtlicher Bestand von Moos-Krugflechte (<em>Diploschistes muscorum<\/em>) gefunden, einer Pionierflechte, die in den letzten Jahren immer seltener geworden ist und in der Roten Liste Niedersachsens mit Katergorie 2 gef\u00fchrt wird. Das Massiv des Kansteins besteht aus plattigem Kalk der Oberkreide und f\u00fchrte damit in einen ganz anderen Lebensraum. Durch Dr. Sasse wurde das Gebiet kurz vorgestellt. Gegen\u00fcber Beobachtungen in vorangegangenen Jahrzehnten ist der pflanzengeografisch interessante Bestand an Kalk-Blaugras (<em>Sesleria caerulea<\/em>) stark zur\u00fcckgegangen und nur noch in einer Kuppenrandlage wirklich dominant zu finden.<\/p>\n<p><center><img src=\"wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220730_122648885_HDR.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" border=\"1\" \/><\/center><center><img src=\"wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_0955.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" border=\"1\" \/><\/center>Inzwischen ist die Aufrechte Trespe (<em>Bromus erectus<\/em>) zur Dominanz gekommen, die Fieder-Zwenke (<em>Brachypodium pinnatum<\/em>) ist stark zur\u00fcckgegangen und in den n\u00e4hrstoffreichen Erosionsrinnen und Acker-Randlagen hat der Glatthafer (<em>Arrhenatherum elatius<\/em>) die Oberhand gewinnen k\u00f6nnen. Bastard-Luzerne (<em>Medicago x varia<\/em>) und Sichel-Luzerne (<em>M. falcata<\/em>), Gro\u00dfer Ehrenpreis (<em>Veronica teucrium<\/em>), Gro\u00dfes Schillergras (<em>Koeleria pyramidata<\/em>) und einige weitere Arten konnten noch vorgestellt werden. Nach einer kurzen Mittagsrast ging es weiter auf einen Wildkraut-Acker im S\u00fcdteil des Gebietes. Auf dem Weg dorthin wurde noch Kelch-Steinkraut (<em>Alyssum alyssoides<\/em>) in einem wiederum pflanzengeografisch interessanten Bestand gezeigt. Aufgrund der fortgeschrittenen Vegetationszeit und anhaltenden Trockenheit konnten nur wenige Arten der Ackerflur vital aufgefunden werden. Bemerkenswert waren u.a. Wei\u00dfer Senf (<em>Sinapis alba<\/em>), Hundspetersilie (<em>Aethusa cynapium subsp. cynapium<\/em>) und Feld-Rittersporn (Delphinium consolida). Dr. Sasse machte auf einen angebauten Bestand von \u00c4gyptischem Klee (<em>Trifolium alexandrinum<\/em>) aufmerksam, der in deutschen Landen selten zu sehen ist. Ute Bedarff zeigte in diesem Bestand die Kahlfr\u00fcchtige Wegwarte (<em>Cichorium calvum<\/em>), die offenbar mit Saatgut eingeschleppt wurde.<br \/>\nDer Abstieg f\u00fchrte durch einen Laubmischwald zur\u00fcck zum Lauf der Innerste. Hier waren als Besonderheiten noch die Gew\u00f6hnliche Telekie (<em>Telekia speciosa<\/em>) und Rosa Storchschnabel (<em>Geranium endressii<\/em>) als Gartenfl\u00fcchtlinge sowie die Westf\u00e4lische Segge (<em>Carex guestphalica<\/em>) zu beobachten.<\/p>\n<p><center><img src=\"wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220730_134811574.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" border=\"1\" \/><\/center>Gemeinsam im Bild werden der Alexandrinerklee (<em>Trifolium alexandrinum<\/em>) und die Kahlfr\u00fcchtige Wegwarte (<em>Cichorium calvum<\/em>) vorgestellt.<\/p>\n<p>Text: Dr. Hans-Ulrich Kison (<a href=\"https:\/\/www.nwv-goslar.de\/\">Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar<\/a> &#8211; Dr. Florenz Sasse)<br \/>\nFotos: Dr. Hans-Ulrich Kison und Dorothee Wolf-Dolata<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 21. gemeinsame Exkursion des Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar e.V. und des Botanischen Arbeitskreises Nordharz e.V. f\u00fchrte in das Tal der Innerste n\u00f6rdlich von Langelsheim. 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