Kartierexkursion am 14.06.2025 – Exkursion der Seweckenberge östlich Quedlinburg

Pünktlich halb zehn am Samstag, den 14. Juni 2025 starteten an der Brücke der Ortsumgehung von Quedlinburg am Ochsenkopf 15 Teilnehmer zu einer Kartierungsexkursion in die Seweckenberge. Die Leitung hatte Norbert Rußwurm übernommen. Es war an diesem Tag sehr warm und am Himmel nicht ein Wölkchen zu sehen.

Die Seweckenberge bei Quedlinburg.

Das erstes Ziel der ca. 5 km langen Tour war das Flächennaturdenkmal (FND) „Grasinsel“. Der Weg dorthin war für uns Botaniker ein wenig ernüchternd. Eutrophierung und Ruderalisierung prägten die Pflanzengesellschaften an den Wegböschungen. Das änderte sich jedoch grundlegend auf den Wiesen am FND. Hier wurden wir mit dem Anblick von mehreren blühenden Pflanzen der Bömischen Sommerwurz (Orobanche bohemica) belohnt. Im Umfeld traten auch das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris), das Ohrlöffel-Leimkraut (Silene otites subsp. otites), der Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima) und das Mittlere Leinblatt (Thesium linophyllum) auf. Am Übergang zum südexponierten Ackerrand blühten der Feld-Steinquendel (Acinos arvensis), die Acker-Haftdolde (Caucalis platycarpos subsp. platycarpos), der Aufrechter Ziest (Stachys recta) und der Kleinfrüchtige Leindotter (Camelina microcarpa subsp. pilosa). Mitten in der „Grasinsel“ entdeckten wir dann auch die Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllacea), den Berg-Klee (Trifolium montanum) und den Dreizahn (Danthonia decumbens subsp. decumbens). Hier wurden uns von Dr. Hans-Ulrich Kison auch die beiden Flechtenarten Grobwarzige Felsschüsselflechte (Xanthoparmelia loxodes) und Pfriemen-Säulenflechte (Cladonia subulata) vorgestellt.

Bömischen Sommerwurz (Orobanche bohemica)
Weg-Distel (Carduus acanthoides)

Entlang des Höhenzuges in Richtung Seweckenwarte fanden wir an den armen und teils offenen Standorten und den randlich leicht ruderalisierten Bereichen weitere interessanten Pflanzenarten. Hierzu zählten u. a. der Streifen-Klee (Trifolium striatum), das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea subsp. erythraea) und die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium subsp. arenarium). Nach der Ungarische Wicke (Vicia pannonica) mussten wir auf den beweideten Flächen lange suchen, wurden aber mit ein paar blühenden Pflanzen belohnt. Besonders auf den sandigen Wegen bemerkten wir dann das Acker-Filzkraut (Filago arvensis) und Deutsches Filzkraut (Filago germanica). Später ergänzte Dr. Kison die Liste noch mit dem Gelblichen Filzkraut (Filago lutescens subsp. lutescens).

Exkursionsteilnehmer auf Pflanzensuche an den Seweckenbergen

Auf unserem Weg querten wir dann einen aufgelassenen Schutzacker, der vor einigen Jahren zur Erhaltung von Segetalarten angelegt wurde, nun aber aufgegeben erschien. Trotz eingetretener Ruderalisierung und Verbrachung und der Ausbreitung der Weg-Distel (Carduus acanthoides) und der Japanische Trespe (Bromus japonicus) konnten hier noch einige interessante Arten bestätigt werden. Das Rundblättrige Hasenohr (Bupleurum rotundifolium) und der Koriander (Coriandrum sativum) bildeten noch größere Populationen. Das Braune Mönchskraut (Nonea erecta) war nur mit wenigen Exemplaren vertreten. Mit dem Damaszener Schwarzkümmel (Nigella damascena) konnte eine Art neu für den Quadranten des Messtischblattes nachgewiesen werden. Auf einer Stilllegung westlich der Warthe überraschte uns dann ein großer Bestand des Acker-Klettenkerbels (Torilis arvensis subsp. recta).

Koriander (Coriandrum sativum)

An der Seweckenwarte angekommen, konnten wir uns an einer Tafel vom UNESCO-Geopark „Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen“ über die Geologie des Gebietes und die Geschichte der Warte informieren.

Nun wurde es aber auch Zeit für eine Pause. Dazu wurden wir von Veronika und Eckhart Kartheuser auf ihre „Ranch“ eingeladen und konnten im Schatten der alten Obstbäume Kaffee und Kuchen genießen.

Blick zur „Ranch“ der Familie Kartheuser

Der lange Rückweg unter der erbarmungslos scheinenden Sonne war dann schon eine Herausforderung, die wir aber mit Bravur bewältigten. Dabei konnte an mehreren Stellen noch die neophytische Armenische Brombeere (Rubus armeniacus) beobachtet werden, die hier ihr enormes Ausbreitungspotential demonstrierte. Am Ausgangspunkt angekommen, lauschten wir noch den interessanten Ausführungen von Dr. Hans-Ulrich Kison zur Herkunft der dort blühenden Türkenbund-Lilien (Lilium martagon). Alles in allem war es heute eine sehr schöne Runde mit vielen interessanten Pflanzenbeobachtungen und angeregten Gesprächen. Dafür erntete der Organisator Norbert Rußwurm am Ende den verdienten Applaus.

Nachfolgend werden die Pflanzenartenlisten zur Verfügung gestellt:
Teil I – FND Grasinsel und Umfeld
Teil II – Ehemaliger Schutzacker

Leitung: Norbert Rußwurm, Dr. Veronika und Eckhart Kartheuser
Text: Armin Hoch
Fotos: Armin Hoch