An der Friedenseiche in Neudorf (Harz) trafen sich am 2. August 2025 über 20 Mitglieder des Botanischen Vereins Sachsen-Anhalts e. V. und des Botanischen Arbeitskreises Nordharz e. V. sowie einige Gäste um auf den Spuren des Botanikers und Lehrers Wilhelm Ebert (1857-1929) die Pflanzenwelt am Neudorfer Bergbauwanderweg zu erkunden. Die Wanderung führt durch einen typischen Ausschnitt der Unterharzer Kulturlandschaft mit unterschiedlichen Florenelementen der Mischwälder, Wiesen, Felder und Teiche. Auf der Tour begegneten uns zahlreiche Zeugen Jahrhunderte alten Bergbaus. Mit großen Kahlflächen und Forstkulturen als Folge von Kalamitäten, die in den letzten Jahren zum großflächigen Absterben von Fichtenforsten führten, wurde auf dieser Exkursion der gegenwärtige Landschafts- und Florenwandel besonders deutlich. Der ca. 8 km lange Rundweg entsprach der Wanderempfehlung Nr. 4 aus den „Botanischen Streifzügen um Harzgerode“, einem 2020 erschienenen Heft des Natur- und UNESCO Globel Geoparks „Harz – Braunschweiger Land – Osfalen“.

Während der Tour konnten wir viele, der dort beschriebene Pflanzenarten auffinden, auch wenn inzwischen ein Großteil der Kalamitätsflächen bereits aufgeforstet sind und statt üppiger Schlagflur an vielen Stellen die Gräser dominierten.
Am Ufer des gut gefüllten Teufelsteiches wuchsen z. B. der Gewöhnliche Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica), das Gewöhnliche Helmkraut (Scutellaria galericulata), der Schild-Ehrenpreis (Veronica scutellata) sowie der im Heft beschriebene kleine Schilfbestand (Phragmites australis). Bei den zahlreich vorhandenen Pilzen im Uferbereich handelte es sich um den sonst sehr seltenen Pfützen-Milchling (Lactarius lacunarum), wie später von dem Pilzsachverständigen Hartmut Schubert aus Neudorf zu erfahren war.

In den Böschungen des Zufahrtsweges zum Damm vom Teufelsteich konnten wir ein paar Pflanzen der Breitblättrigen Ständelwurz (Epipactis helleborine) bestätigen und auf der gepflegten Wiese am Dessauer Weg blühte die Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule). Der im Heft aufgeführte Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) auf der Wendeschleife eines Forstweges war inzwischen schon zu einem ansehnlichen Jüngling herangewachsen.
Die Äcker an dem Weg zum Birnbaumteich waren mit Kultur-Hanf (Cannabis sativa) bestellt. Zahlreiche Pflanzen der Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis) zeigten die ökologische Bewirtschaftungsform der Felder an. Das 2020 vorhandene Acker-Leimkraut (Silene noctiflora) konnten wir leider nicht finden. Dafür blühte hier recht zahlreich der Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis).

Am Birnbaumteich angekommen, ließen wir uns an der Uferböschung zu einer verdienten Rast nieder. Am Kiosk vom Zeltplatz rundeten viele Exkursionsteilnehmer die Pause dann mit einer Kugel Eis ab, bevor es auf dem letzten Abschnitt weiterging. Am Altbergbaugebiet „Birnbaum“ waren inzwischen alle Fichten verschwunden und große Grasflächen dominierten hier das Landschaftsbild. Auch von den 2020 noch zahlreich vorhandenen Erdflechten war kaum noch was zu sehen. Kurz vor Neudorf konnten wir uns noch mit einigen Brombeerarten vertraut machen, darunter auch die Träufelspitzen-Brombeere (Rubus pedemontanus), die nach neusten Erkenntnissen inzwischen Rubus nigricans heißt.
Gegen 16:00 Uhr erreichten wir den Ausgangspunkt. Als Fazit wurde von den Teilnehmern festgestellt, dass die heutige Tour sehr abwechslungsreich war, es für Botaniker so manch interessante Pflanzenart zu entdecken gab und sich die Wanderung zu jeder Jahreszeit lohnt.
Leitung: Armin Hoch
Text: Armin Hoch
Fotos: Armin und Sylvia Hoch


